Kassel. Es war der krönende Abschluss eines rundum gelungenen Kulturfestivals: Nach 13 Jahren kehrte der Hessenslam vom 11. bis 19. September 2026 wieder nach Kassel zurück und machte die nordhessische Metropole für über eine Woche zum Epizentrum der hessischen Poetry-Slam-Szene. Über 40 Poetinnen und Poeten aus mehr als 20 hessischen Städten traten bei den vom Team Poetry Slam Nordhessen in Kooperation mit der Evangelischen Jugend Kassel veranstalteten Meisterschaften im Team-, U20- und Einzelwettbewerb an. Am vergangenen Samstag fand die Meisterschaft im großen Finale in der CROSS Jugendkulturkirche ihren feierlichen Höhepunkt. Souverän, spritzig und charmant führten Marvin Seeligmann und Conny von Poetry Slam Nordhessen durch das abendliche Programm. Am Ende eines denkwürdigen Abends voller Sprachgewalt durfte Verena Hülsbömer aus Wiesbaden den begehrten Pokal in den Händen halten und krönte sich zur neuen Hessenmeisterin.

Die Location hätte für ihren Siegertext kaum passender gewählt sein können: Ausgerechnet in den Hallen der Jugendkulturkirche überzeugte Hülsbömer mit einem mutigen, kirchenkritischen Beitrag. Die Entscheidung lag dabei direkt in den Händen des Publikums: Neun spontan ausgewählte Personen aus den Zuschauerrängen bildeten die Jury und bewerteten die Vorträge auf einer Skala von 1,0 bis 10,0 Punkten per Wertungstafel. Um eine möglichst faire Bewertung zu garantieren, wurden bei jedem Auftritt die höchste und die niedrigste Punktzahl gestrichen – somit konnte jeder Teilnehmende maximal 70 Punkte erreichen.

Nach dem ersten Durchgang der insgesamt acht Finalistinnen und Finalisten qualifizierten sich die besten vier für die entscheidende Stichwahl. Neben Verena Hülsbömer traten hier Michael Goehre, der mit einer ergreifenden Geschichte über einen Entführungs- und Missbrauchsfall tief berührte, LyrikLeonie mit einem nachdenklichen Beitrag über weibliche Identität sowie nicht zuletzt Nora Solcher an, die mit herausragender Mimik und Witz vom alljährlichen Steuererklärungs-Horror berichtete. Mit sprachlicher Präzision, Tiefgang und Haltung traf Hülsbömer schließlich auch im Stechen den Nerv der Geschworenen und setzte sich im hochklassigen Feld durch. Insgesamt bot die Veranstaltung eine enorme Bandbreite moderner Bühnenliteratur mit persönlichen Geschichten, politischer Haltung, absurdem Humor und leisen Beobachtungen, die unter die Haut gingen und das Publikum tief berührten.

Damit knüpfte das Event nahtlos an den Erfolg der Vorwoche an: Bereits vor genau einer Woche fand an gleicher Stelle das U20-Finale statt, das die Kasselerin Sharon mit emotionalen und mitreißenden Texten für sich entscheiden konnte. Mit ihrem Triumph beim Hessenslam nimmt Verena Hülsbömer nicht nur den Pokal mit nach Hause, sondern vertritt das Bundesland Hessen auch bei den anstehenden deutschsprachigen Meisterschaften. Das Kasseler Publikum in der gut besuchten Cross Jugendkulturkirche verabschiedete die Poeten mit langanhaltendem Applaus für eine Sternstunde der gesprochenen Wortkunst.











































































