Gartenkreuzspinne

Gartenkreuzspinne, Frontalansicht

Die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) ist eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten heimischen Vertreterinnen aus der Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae).

Systematik und Einordnung

  • Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
  • Familie: Echte Radnetzspinnen (Araneidae)
  • Gattung: Kreuzspinnen (Araneus)
  • Art: Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus)

Morphologische Merkmale

Habitus und Färbung

  • Körperlänge: Starker Sexualdimorphismus.
    • Weibchen: 10 bis 18 mm (während der Trächtigkeit im Spätsommer oft noch größer).
    • Männchen: 5 bis 10 mm (wesentlich schlankere Statur).
  • Kreuzzeichnung: Das namensgebende weiße Kreuz auf der Oberseite des Hinterleibs (Opisthosoma) besteht aus fünf oder mehr einzelnen Flecken. Das weiße Pigment entsteht durch die Einlagerung von Guanin-Kristallen (einem Abbauprodukt des Stoffwechsels) in speziellen Zellen unter der Cuticula.
  • Grundfärbung: Variabel von hellgelb, orange, hellbraun bis hin zu fast schwarzbraun. Die Färbung hängt unter anderem von der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchtigkeit während der Häutungen ab.
  • Behaarung und Bestachelung: Vorderkörper (Prosoma) und Beine sind dicht behaart und mit spitz zulaufenden, dunklen Sinnesborsten (Setae) besetzt, die Vibrationen und Luftströmungen wahrnehmen.

Sinnesorgane und Beißwerkzeuge

  • Augen: Besitzt acht Punktaugen (Ocellen), die in zwei Reihen an der Vorderseite des Prosomas angeordnet sind. Das Sehvermögen ist eher schwach entwickelt; die Orientierung erfolgt primär über Erschütterungssinne.
  • Cheliceren: Die Beißwerkzeuge tragen Drüsen, die ein für Kleintiere lähmendes Gift abgeben. Für den Menschen ist das Gift weitgehend harmlos; die Kieferklauen vermögen die menschliche Haut nur an sehr dünnen Stellen (z. B. bei Kindern) zu durchdringen.

Lebensraum und Phänologie

Habitat

Die Gartenkreuzspinne ist ein Kulturfolger und besiedelt eine Vielzahl lichter bis halbschattiger Lebensräume:

  • Gärten, Parks und Streuobstwiesen
  • Waldränder, Lichtungen und Gebüsche
  • Gebäudeaußenwände und Balkone

Lebensdauer und Phänologie

  • Lebenszyklus: Die Art benötigt etwa zwei Jahre für ihre Entwicklung.
  • Flug-/Sichtzeit: Ausgewachsene Tiere sind vor allem von Juli bis Oktober anzutreffen. Die Paarung und Eiablage erfolgen im Spätsommer und Frühherbst.

Ökologie und Lebensweise

Netzbau

Die Gartenkreuzspinne baut charakteristische, große Radnetze mit bis zu 30 Radienspeichen und einer dichten Fangspirale aus klebriger Seide.

  • Das Netz wird meist täglich erneuert oder ausgebessert.
  • Das alte Netz wird dabei aufgefressen und die Proteine der Seide recycelt.
  • Die Spinne sitzt entweder gut getarnt in der Nabe (Netzmitte) – meist mit dem Kopf nach unten – oder in einem geschützten Schlupfwinkel am Netzrand, der über einen Signalfaden mit der Netzmitte verbunden ist.

Beutefang und Ernährung

  • Beutespektrum: Die Nahrung besteht aus fliegenden Insekten wie Fliegen, Mücken, Bienen, Wespen und Schmetterlingen.
  • Injektion und Verdauung: Beutetiere werden schnell eingewickelt, durch einen Chelicerenbiss gelähmt und anschließend extratestinal verdaut (Einspritzen von Verdauungssäften und anschließendes Aussaugen der verflüssigten Biomasse).

Fortpflanzung

  • Brautwerbung: Männchen zupfen an den Signalfäden des Weibchennetzes in einem spezifischen Rhythmus, um nicht als Beute wahrgenommen zu werden.
  • Eiablage: Das Weibchen spinnt im Herbst einen gelblichen Kokon aus feiner Seide, in den mehrere hundert Eier abgelegt werden. Das Weibchen stirbt kurz nach der Eiablage.
  • Überwinterung: Die Eier überwintern geschützt im Kokon. Die Jungspinnen schlüpfen im Frühjahr und verstreuen sich nach den ersten Häutungen.

Gefährdung und Schutz

Die Gartenkreuzspinne ist in ganz Mitteleuropa sehr häufig und gilt als nicht gefährdet. Sie erfüllt eine wichtige Funktion im Ökosystem als Regulator von Insektenpopulationen.

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