Gelbe Dungfliege

Gelbe Dungfliege mit Regenbogen-Effekt in den Augen

Die Gelbe Dungfliege (Scathophaga stercoraria), manchmal auch als Gemeine Dungfliege bezeichnet, ist eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Arten innerhalb der Familie der Dungfliegen (Scathophagidae) in Mitteleuropa.

Systematik und Einordnung

  • Klasse: Insekten (Insecta)
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
  • Familie: Dungfliegen (Scathophagidae)
  • Gattung: Scathophaga
  • Art: Gelbe Dungfliege (Scathophaga stercoraria)

Morphologische Merkmale

Imago (Fliege)

  • Körperlänge: 7 bis 11 mm.
  • Geschlechtsdimorphismus:
    • Männchen: Auffällig gelb-orange bis golden gefärbt und dicht pelzig behaart. Die Beine tragen ebenfalls lange, gelbliche Borsten.
    • Weibchen: Etwas kleiner und unauffälliger; die Färbung ist dunkler, meist olivgrau bis gelblich-grün, mit spärlicherer Behaarung.
  • Kopf und Augen: Große, dunkle Facettenaugen (bei starkem, gerichtetem Licht tritt durch Lichtbrechung an den Ommatidien oft ein irisierender Regenbogeneffekt auf). Das Gesicht weist helle Borsten und ausgeprägte Makrochaeten (Kopfborsten) auf.
  • Flügel: Transparent mit einer leichten gelblich-braunen Tönung, die Äderung ist gut sichtbar.

Lebensraum und Phänologie

Habitat

Die Art ist stark an Weideland, Viehhaltung (insbesondere Rinder-, Pferde- und Schafweiden) sowie an dungreiche Wiesen und Waldränder gebunden.

Flugzeit

Die Flugzeit reicht vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst (meist April bis Oktober). Die Art bringt in Mitteleuropa mehrere Generationen pro Jahr hervor (multivoltin).

Ökologie und Lebensweise

Ernährung

Die Gelbe Dungfliege zeigt im Laufe ihres Lebenszyklus unterschiedliche Ernährungsweisen:

  • Imagines (Räuberisch & Nektarfresser): Entgegen ihrem Namen ernähren sich ausgewachsene Fliegen primär räuberisch von anderen kleineren Insekten (z. B. Mücken, Weidefliegen), die sie im Flug oder auf der Vegetation erbeuten und aussaugen. Ergänzend nehmen sie Nektar und Pflanzensäfte als Energielieferant auf.
  • Larven (Koprophag): Die Maden entwickeln sich ausschließlich in frischem Dungkuchen (bevorzugt Rinderdung), wo sie sich von organischen Bestandteilen und den Larven anderer Dunginsekten ernähren.

Fortpflanzung und Eiablage

  • Paarungsverhalten: Männchen versammeln sich in großer Zahl auf frischem Rinderdung, um auf eintreffende Weibchen zu warten. Die Konkurrenz unter den Männchen ist hoch; es kommt regelmäßig zu intensiven Rivalenkämpfen.
  • Eiablage: Die Eier besitzen zwei charakteristische, flügelartige Fortsätze (Tracheenfortsätze). Diese verhindern, dass das Ei in der flüssigen Kotmasse versinkt, und stellen die Sauerstoffversorgung der Larve sicher.

Ökologische Bedeutung

Die Gelbe Dungfliege ist ein essenzieller Bestandteil des Weideökosystems:

  • Dungabbau: Die Larven tragen maßgeblich zur Zersetzung von Weidedung bei und Beschleunigen die Nährstoffrückführung in den Boden.
  • Populationskontrolle: Als Räuber regulieren die adulten Fliegen die Populationen anderer Fliegenarten auf Viehweiden.
  • Indikator für Tierarzneimittel: Die Art reagiert empfindlich auf Rückstände von Antiparasitika (z. B. Ivermectin) im Dung, weshalb sie häufig als Testorganismus zur Untersuchung der Umweltverträglichkeit von Veterinärmedizin eingesetzt wird.

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