Kaisermantel

Kaisermantel, Oberseite

Der Kaisermantel (Argynnis paphia), im deutschen Sprachraum auch als Großer Perlmuttfalter bekannt, ist die größte heimische Art innerhalb der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) und der Unterfamilie der Perlmuttfalter (Heliconiinae).

Systematik und Einordnung

  • Klasse: Insekten (Insecta)
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
  • Gattung: Argynnis
  • Art: Kaisermantel (Argynnis paphia)

Morphologische Merkmale

Imago (Falter)

  • Flügelspannweite: 55 bis 65 mm.
  • Flügeloberseite: Grundfarbe kräftig orange-braun mit einer Zeichnung aus dunklen Flecken und Binden.
    • Geschlechtsdimorphismus: Männliche Exemplare besitzen auf den Adern der Vorderflügel-Oberseite vier deutlich hervortretende, dunkle Duftschuppenstreifen (Scent scales/Androconien), die zur Abgabe von Pheromonen bei der Balz dienen. Weibchen sind meist etwas dunkler, oliv-orange getönt und weisen keine Duftschuppenstreifen auf.
    • Farbvariationsform: Gelegentlich tritt bei Weibchen die Morphe valesina auf, bei der die Oberseite nahezu vollständig olivgrün bis grau-braun verdunkelt ist.
  • Flügelunterseite: Die Unterseite der Hinterflügel zeichnet sich durch eine charakteristische matt-olivgrüne Färbung aus, die von dünnen, silbrigen Längsbinden durchzogen wird. Im Gegensatz zu anderen Perlmuttfalter-Arten fehlen ausgeprägte, abgegrenzte Silberflecken.

Raupe

  • Erscheinungsbild: Dunkelgrau bis schwarzbraun mit zwei gelben Rückenstreifen und rötlich-braunen, verzweigten Dornen.
  • Kopfbereich: Hinter dem Kopf befindet sich ein Paar verlängerter, nach vorne gerichteter Dornen, die an Fühler erinnern.

Lebensraum und Phänologie

Habitat

Der Kaisermantel bevorzugt lichte, sonnendurchflutete Laub- und Mischwälder, Waldränder, Kahlschläge, Waldwege sowie buschreiche Waldwiesen. Das Vorhandensein von blütenreichen Säumen (Nektarquellen) und waldnahen Beständen von Veilchen (Raupenfutter) ist essenziell.

Flugzeit

Die Art bringt pro Jahr eine Generation hervor (univoltin). Die Hauptflugzeit erstreckt sich von Anfang Juli bis Ende August.

Ökologie und Lebensweise

Ernährung der Imagines

Ausgewachsene Falter besitzen einen hohen Energiebedarf und nutzen vor allem blütenreiche Bestände an Waldrändern und Schneisen. Zu den primären Nektarpflanzen gehören:

  • Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum)
  • Brombeerarten (Rubus spp.)
  • Distel- und Flockenblumenarten (Cirsium, Carduus, Centaurea)
  • Witwenblumen und Skabiosen (Knautia, Scabiosa)

Fortpflanzung und Eiablage

Die Paarung wird durch einen komplexen Balzflug eingeleitet, bei dem das Männchen Pheromone aus den Duftschuppenstreifen freisetzt.

Die Eiablage erfolgt atypisch für Tagfalter: Das Weibchen heftet die Eier einzeln in Borkenritzen von Baumstämmen (meist Kiefern oder Eichen) ab, die sich in direkter Nähe zu Vorkommen von Veilchen befinden. Die Eiablagehöhe liegt typischerweise bei 1 bis 2 Metern über dem Boden.

Raupenentwicklung

  • Überwinterung: Die Eiraupe schlüpft im Spätsommer, nimmt jedoch keine Nahrung auf. Sie spinnt sich an der Baumrinde ein und überwintert im ersten Raupenstadium (L1).
  • Futterpflanze: Im folgenden Frühjahr (ab April) klettert die Raupe vom Baum ab und sucht den Waldboden nach Nahrung ab. Die Larven ernähren sich oligophag von den Blättern verschiedener Veilchenarten, insbesondere:
    • Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana)
    • Hain-Veilchen (Viola riviniana)
    • Rauhes Veilchen (Viola hirta)
  • Verpuppung: Die Verpuppung erfolgt als Stürzpuppe an niedriger Vegetation oder Holzstücken nahe am Boden.

Gefährdung und Schutz

Der Kaisermantel ist in Mitteleuropa noch weit verbreitet und gilt in Deutschland derzeit als nicht gefährdet. Dennoch reagiert die Art empfindlich auf die Entfernung von Totholz, die Zerstörung saumreicher Waldränder und die dichte Monokultur-Aufforstung, da diese Maßnahmen sowohl die Nektarpflanzen als auch die Schattenspender für die Veilchenvorkommen reduzieren.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert